Die Zentralbibliothek der Wiener Franziskanerprovinz in Graz beherbergt heute den aus den verschiedenen Konventen zusammengetragenen alten Bücherbestand der Provinz bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. An Handschriften bis zum ausgehenden 16. Jahrhundert werden heute nur noch 43 Stück verwahrt. Hinsichtlich der früheren Provenienz lassen sie sich folgenden Konventen zuweisen: Wien (5 Stück), Maria Lankovitz (6 Stück), St. Pölten (7 Stück) und Graz (22 Stück); die Manuskripte des aufgehobenen St. Pöltener Konventes gelangten über Wien nach Graz. Für die restlichen Codices läßt sich derzeit die Besitzprovenienz nicht feststellen.
Knapp über die Hälfte der Handschriften, nämlich 23, sind Liturgica. Davon stammen zwei aus dem 14., 10 aus dem 15. (bis „um 1500") und 11 aus dem 16. Jahrhundert. Nur drei der liturgischen Codices wurden auf Papier geschrieben.
16 nichtliturgische Handschriften gehören dem 15. Jahrhundert an. Eine einzige ist auf Pergament geschrieben, alle anderen auf Papier. Mit Ausnahme einer medizinischen Sammelhandschrift und eines Vocabularius Ex quo ist diese Gruppe des 15. Jahrhunderts dem theologischen Breich zuzuweisen, wobei Sermonescodices überwiegen. Von den drei nichtliturgischen Handschriften des 16. Jahrhunderts sind inhaltlich zwei der Theologie und eine der Historiographie zuzuweisen.
Der Handschriftenbestand der Grazer Zentralbibliothek der Franziskaner ist bisher nur in Form von Kurzinventaren erschlossen:
Im Rahmen des Projektes soll ein Inventar - also kein Vollkatalog - der Handschriften der Zentralbibliothek der Wiener Franziskanerprovinz in Graz bis zum Ende des 16. Jahrhunderts erstellt werden. Die gegenüber Vollkatalogen reduzierte Beschreibung des Äußeren enthält nur die Angaben zum Beschreibstoff, zur Blattzahl, zu den Abmessungen des Buchblockes, zu den Teilen des Codex und zu Entstehungszeit und Entstehungsort. Weiters wird die Lagenformel angegeben und das Vorkommen von Lagenzählungen und Reklamanten vermerkt. Außerdem wird die Schriftart angegeben. Bei der Ausstattung werden nur generelle Angaben gemacht, ob eine einfache Rubrizierung (Überschriften, Auszeichnungsstriche) vorhanden ist oder auch Lombarden, Fleuronnéeinitialen und Deckfarbeninitialen (unterschieden in unfigürlich und figürlich) vorkommen. Bei den Einbänden wird nur verzeichnet, ob diese überhaupt keinen Schmuck oder bloß Streicheisenlinierung oder auch Blinddruck aufweisen.
Die anhand von Mikrofilmen erstellte Inhaltsbeschreibung wird bei den liturgischen Codices im Vergleich zu den Vollkatalogen stark reduziert. Dies erscheint auch im Hinblick auf die späte Entstehungszeit der meisten dieser Codices vertretbar. Bei den nichtliturgischen Handschriften folgt die Inhaltsbeschreibung den Richtlinien der Vollkataloge.
Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters