KATALOGISIERUNG DER ILLUMINIERTEN HANDSCHRIFTEN
zur Geschichte der Katalogisierungsprojekte

ÖAW-STIPENDIAT 2010/12

Dr. Armand Tif
Die Leipziger Buchkunst der Inkunabelzeit. Ökonomische Aspekte der gewerblichen Buchmalerei im frühen Buchgroßhandel zwischen Deutschland und Osteuropa um 1500

Promotion: 2015 / Publikation: in Vorbereitung
Betreuung: O. Univ.-Prof. Dr. Michael Viktor Schwarz; Ao. Univ.-Prof. Dr. Martina Pippal / Institut für Kunstgeschichte, Universität Wien

Kontakt: Dr. Armand Tif
Universität Wien, Institut für Kunstgeschichte, Otto Pächt-Archiv
Spitalgasse 2 / Hof 9, 1090 Wien
eMail: armand.tif@univie.ac.at
Den Ausgangspunkt des Dissertationsprojekts bildete eine Fragestellung zu den wissenschaftlichen Methoden zur Lokalisierung der – in der kunsthistorischen Forschung noch nicht erfassten – Leipziger Buchmalerei um 1500. In einer ersten Fallstudie, die ab 2007 erarbeitet und schließlich 2009 im Rahmen der internationalen Workshopreihe des Pächt-Archivs am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien als These präsentiert wurde, konnte gezeigt werden, dass nur das interdisziplinäre Zusammenspiel verschiedener Forschungsgebiete zur gesicherten Definition der Leipziger Buchmalerei des letzten Viertels des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts führt. (siehe Abstract zum Workshop 2009).

Mit der Erfindung des Buchdrucks um die Mitte des 15. Jahrhunderts kam es zu maßgeblichen Veränderungen im gesamteuropäischen Buchwesen. Die Erschließung neuer Absatzmärkte und Käuferschichten gehörte zu den größten und frühesten Herausforderungen der sogenannten Inkunabeldrucker. Erste Bestrebungen in dieser Richtung konnten bereits beim Vertrieb unterschiedlicher Exemplare der Gutenbergbibel in den 1450er Jahren beobachtet werden, wobei die mittelostdeutschen Universitätsstädte Leipzig und Erfurt offenkundig von Beginn an eine führende Rolle spielten.

In der sächsischen Handelsmetropole Leipzig entwickelte der Buchhandel in den folgenden Jahrzehnten eine wirtschaftliche Struktur von überregionaler Bedeutung, welche als Ursprung der Leipziger Buchmesse gedeutet werden darf. In diesem Kontext fanden Buchmaler eine günstige Auftragslage für kommerzielle Buchausstattung, die nicht mehr vordergründig durch lokale Endkunden, sondern durch – vor allem in Böhmen, Mähren und Polen – international vernetzte Großhändler geboten war. Als Beispiel dafür sei auf die Druckauflage vom Brünner Schöffenbuch (Ius municipale Brunnense bzw. Ius municipale Moraviae), gedruckt um 1498 in der Nürnberger Offizin von Georg Stuchs (GW 5578) hingewiesen. Wie der Titel leicht erkennen lässt, war das Druckwerk für Mähren (Brünn) bestimmt. Das neuzeitlich gebundene Exemplar in München, Bayerische Staatsbibliothek, 2 L.impr.membr. 42 m weist aber eine Deckfarbeninitiale mit Blattgold auf, die von einem zeitgenössischen Leipziger Buchmaler ausgeführt wurde. Durch die Vernetzung der Informationen, lässt sich in diesem Fall der Vertriebsweg Nürnberg – Leipzig – Brünn rekonstruieren, wobei die Handelsroute über die Transitstation Leipzig alleine durch die Lokalisierung des Buchschmucks ersichtlich gemacht werden konnte.

Dass eine tiefgreifende kunsthistorische Auseinandersetzung mit der Leipziger Buchmalerei um 1500 als großes Desiderat zu werten ist, zeigte unter anderem auch ein im September 2010 publizierter Bericht des stellvertretenden Leiters der Universitätsbibliothek Leipzig, Dr. Christoph Mackert, mit dem selbstredenden Titel „Kaum beachtete Preziosen“. Das Ziel der Untersuchung ist daher eine breit angelegte Erfassung der Leipziger Buchmalerateliers von der Mitte des 15. und bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts. Die Ergebnisse sollen unter anderem als wissenschaftliches Instrument zur richtigen Einordnung Leipziger Buchkunstwerke aufbereitet werden, damit in Zukunft auch die in diesem Rahmen nicht erfassten Codices in den breit gestreuten, spätmittelalterlichen Bibliotheksbeständen identifiziert werden können.


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