KATALOGISIERUNG DER ILLUMINERTEN HANDSCHRIFTEN: OSTMITTELEUROPA
Zur Geschichte der Katalogisierungsprojekte I in Bearbeitung I abgeschlossen I Publikationen online


Die ostmitteleuropäischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek werden aufgrund ihrer besonderen Bedeutung in eigenen Bänden der Reihe I, "Mitteleuropäische Schulen", publiziert:

MITTELEUROPÄISCHE SCHULEN IX (ca. 1450–1500)
Böhmen, Mähren, Schlesien, Ungarn
Projektbeginn: 2014

Leitung: Dr. Maria Theisen
Mitarbeiterin: Mag. Irina von Morzé
Beiträge von: Dr. Milada Studnicková (Tschechische Akademie der Wissenschaften),
Dr. Edina Zsupán (Országos Széchényi Könyvtár),
Dr. Ulrike Jenni (Universität Wien, Pächt-Archiv)

FWF-Projekt: P26680 sowie Eigenmittel der ÖAW

Nationale Kooperationspartner: Österreichische Nationalbibliothek / Handschriftensammlung; Institut für Kunstgeschichte / Universität Wien

Zwar stand die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts bereits im Zeichen des Kupferstichs und der Erfindung des Buchdrucks, doch halfen die neuen Medien dabei, das stilistische Repertoire der Illuminatoren zu bereichern. Nur langsam mussten sie das angestammte Feld der Bibel- und Missalienausstattung aufgeben – dieser Verlust wurde jedoch durch die Anfertigung kostbarer Gebet- und Gesangsbücher ausgeglichen. Besondere Highlights dieser Ausgabe stellen das Gebetbuch Georgs I. de Münsterberg (Enkel des „Hussitenkönigs“ Georg von Podiebrad), die von Valentin Noh illuminierte Vita Caroli IV., die Gesangsbücher der utraquistischen Bruderschaften (Kutná Hora-Graduale und Smíšek-Graduale aus der Musiksammlung) und die Handschriften für König Matthias Corvinus dar. Außerdem werden in diesem Band bisher unbekannte Manuskripte anonymer Erstbesitzer und aus Pfarrbibliotheken vorgestellt werden, wie z.B. illuminierte Bücher aus der Kartause bei Brünn, Bücher über die Geschichte Böhmens, theologische Kommentare und antike Literatur.
manuscripta.at

Veranstaltungshinweis:
Tagung "Unter Druck. Illuminierte Handschriften und Inkunabeln im Zeitalter Gutenbergs", ÖAW, 13.1. - 17.1.2016
Ausstellung "Kloster, Kaiser und Gelehrte", Stiftsmuseum Klosterneuburg, 15.9.2015 - 30.6.2016




MITTELEUROPÄISCHE SCHULEN VII (ca. 1400–1450)
Böhmen, Mähren, Schlesien, Ungarn
Projektbeginn: 2010
Projektende: 2014

Leitung: Dr. Maria Theisen
Mitarbeiterin: Mag. Kristina Klebel, Mag. Irina von Morzé
Beiträge von: Dr. Ulrike Jenni, Dr. Milada Studnicková
(Tschechische Akademie der Wissenschaften)

FWF-Projekt: P22227 sowie Eigenmittel der ÖAW

Nationale Kooperationspartner: Österreichische Nationalbibliothek / Handschriftensammlung
Institut für Kunstgeschichte / Universität Wien

Besondere Highlights dieser Ausgabe stellen das prächtig illuminierte Missale von Erzbischof Zbinko Zajic von Hasenburg (Cod. 1844), eine Bibel des Kochs von König Wenzel IV (Cod. 1169), und ein großes Cantionale dar, das wahrscheinlich in Mähren mit Buchschmuck versehen wurde (Sn 4246), ebenso die reich verzierte Bibel des Taboritenhauptmanns Filip von Paderov (Cod. 1175) und ein umfangreicher hussitischer Bilderzyklus zum Neuen Testament (Cod. 485). Diese Codices wurden bereits von Kunsthistorikern wie Otto Pächt, Karel Stejskal und Gerhard Schmidt ausführlich diskutiert, zuletzt von Milada Studnicková im Zuge der großen Luxemburger-Ausstellungen in New York, Prag und Budapest vorgestellt.

Aber auch weniger bekannte und viele unbekannte Manuskripte werden in diesem Band dem Fachpublikum erstmals vorgestellt, wie z.B. Schriften von Jan Hus und John Wyclif, die für die Universität von Prag angefertigt wurden. Nicht nur die Vervielfältigung dieser Traktate, sondern auch die Tatsache, dass die verbotenen häretischen Texte sogar illuminiert wurden, gibt tiefen Einblick in die angespannte politische und religiöse Situation der Zeit, die schließlich in den Hussitenkriegen kulminierte.
manuscripta.at

siehe auch: Schätze der Vergangenheit (Bericht ÖAW Aktuell 2011)

Veranstaltungshinweis:
Umení v neklidné dobe (Bericht "akademický bulletin")
Art in an Unsettled Time, Prague, Nov. 12 - 13, 2013
A Passion for Bohemia 01.03.2012



MITTELEUROPÄISCHE SCHULEN IV (ca. 1380–1400)
Die Hofwerkstätten König Wenzels IV. von Luxemburg und deren Umkreis

Leitung: Dr. Ulrike Jenni I Dr. Maria Theisen
Mitarbeiterin: Dr. Maria Theisen

FWF-Projekt: P16611-Go6 sowie Eigenmittel der ÖAW

Nationale Kooperationspartner: Österreichische Nationalbibliothek / Handschriftensammlung
Institut für Kunstgeschichte / Universität Wien

Die Österreichische Nationalbibliothek zu Wien ist im Besitze einer großen Zahl an königlichen Codices, die zudem über eine Periode von etwa 20 Jahren das künstlerische Schaffen ihrer Illuminatoren dokumentieren. Dazu zählen die sogenannte "Wenzelsbibel" in 6 Bänden (Cod. 2759–2754), der Willehalm-Codex (Ser.n. 2643), das Bergrecht für Böhmen (Cod. 2264), eine Astronomische Handschrift (Cod. 2352), die Paulusbriefe (Cod. 2789), die Goldene Bulle (Cod. 338) und andere, auch dem Fachpublikum kaum oder nicht bekannte Handschriften.

Die genannten Codices sind untereinander nicht nur durch die Embleme Wenzels verbunden und als solches zweifelsfrei der ehemaligen königlichen Bibliothek zuzuordnen, sondern auch durch die Illuminatoren, die an ihrem Buchschmuck mitgearbeitet haben. Abgesehen von der Wenzelsbibel und der Goldenen Bulle, von denen bereits Faksimilie-Bände vorliegen, stellt dieser Band die Miniaturen sämtlicher Prachtbände erstmals publizieren und einige weitere Werke der Hofilluminatoren und Floratoren, die nicht unmittelbar für den König bestimmt waren, vor.

Auf diese Weise wird neben der Erstellung eines Bestandskataloges auch ein umfassendes Bild über die Buchkünstler des Rex Romanorum und deren Umkreis gezeichnet. Der Textband enthält die stilistische Provenienz der Künstler, die Zusammenarbeit ihrer Werkstätten sowie umfassende Werklisten für jeden Illuminator, außerdem genaue codicologische Angaben, Inhalt und Provenienz der betreffenden Handschriften, komplette Miniaturenlisten mit Kurzbeschreibungen, Ausführungen zum Fleuronnée und Angaben zur neuesten Literatur. Beziehungen zu den bereits im Band "Mitteleuropäische Schulen III" publizierten, repräsentativen Codices kirchlicher Würdenträger werden hierbei immer wieder berücksichtigt.
Verzeichnis der katalogisierten Handschriften





MITTELEUROPÄISCHE SCHULEN III (ca. 1350-1400).
Böhmen, Mähren, Schlesien, Ungarn (mit Ausnahme der Hofwerkstätten Wenzels IV.
und deren Umkreis).

Leitung: Dr. Ulrike Jenni
Mitarbeiterin: Dr. Maria Theisen

FWF-Projekt: D3536 sowie Eigenmittel des BMWF & ÖAW [abgeschlossen]

Nationale Kooperationspartner: Österreichische Nationalbibliothek / Handschriftensammlung
Institut für Kunstgeschichte / Universität Wien


Der für diesen Band bearbeitete Zeitraum umfasst die Jahre von ca. 1350 - 1400. Es erwies sich als sinnvoll, jene Prachtcodices, die für Kaiser Wenzel IV. und seinen Hof bestimmt waren, für diesen Katalog auszuklammern und den Schwerpunkt der Katalogisierungsarbeiten auf die Gebrauchshandschriften dieser Periode zu legen - dazu zählen Meßbücher, Breviere, Bibeln, Universitätsschriften, theologische und medizinische Sammelhandschriften u.v.m.

Viele dieser Handschriften sind bereits auf Papier geschrieben. Das hatte zur Folge, dass das Medium Buch erschwinglicher wurde, was sich oftmals auch in einfacherer künstlerischer Ausstattung (Federzeichnungen und Fleuronnée) niederschlug. Die Österreichische Nationalbibliothek ist durch die Fluchtbewegungen während der Hussitenkriege des 15. Jahrhunderts einerseits und durch die unter Josef II. vorgenommenen Klosteraufhebungen andererseits im Besitze zahlreicher ostmitteleuropäischer Kloster- und Universitätshandschriften, die diese Entwicklung beispielhaft belegen. Da die meisten Papierhandschriften entweder durch Wasserzeichen oder Schreiberdatierungen zeitlich gut einzuordnen sind, stellen sie für andere, undatierte Codices eine wichtige Grundlage dar. (Die erstmalige Veröffentlichung dieses Materials soll insofern auch ein wichtiges Hilfsmittel für Bibliothekare und Kunsthistoriker auf diesem Gebiet sein.)

Repräsentative Codices weisen dagegen immer Pergament als Beschreibstoff auf und konkurrieren in der Qualität ihrer künstlerischen Ausstattung durchaus mit der höfischen Kunst, zumal ihre Besitzer oder Stifter dem Adelsstand zugehörten. Als glanzvolle Höhepunkte seien das Evangeliar des Johann von Troppau (Cod. 1182), eine unvollendete Bibel aus Mähren (Cod. 1189) und das Geraser Missale (Ser.n. 3516) genannt. Des weiteren konnte eine ikonographische Einführung in den spezifischen Heiligenkult der böhmischen Länder anhand umfassender Erläuterungen zu den Legenden und Heiligenviten im Krumauer Bildercodex (Cod. 380) gegeben und in nachfolgenden Katalogbeiträgen durch weitere Beispiele aus der betreffenden Kunstregion vertieft werden.

Ulrike Jenni / Maria Theisen, Die illuminierten Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek: MITTELEUROPÄISCHE SCHULEN III (ca. 1350-1400). Böhmen, Mähren, Schlesien, Ungarn (mit Ausnahme der Hofwerkstätten Wenzels IV. und deren Umkreis). Unter Mitarbeit von Karel Stejskal. (Reihe I, Bd. 12, Denkschriften der phil.-hist. Klasse 315). Wien 2004.
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Katalogisierung der illuminierten Handschriften

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